Gut zu wissen, dass man nicht alleine ist

Gut zu wissen, dass man nicht alleine ist

„Na, gut ins neue Jahr gestartet?“ Mein Nachbar zieht den Reißverschluss seiner Jacke hoch, die Schultern leicht nach vorne gezogen. Es ist ein grauer Januarmorgen, die Straße noch ruhig. Er lächelt, zögert kurz und sagt dann: „Ehrlich? Ich bin müder als vorher.“ Dieser Satz bleibt hängen. Weil ihn in diesen Tagen viele denken – und nur wenige laut aussprechen.

Der Januar trägt das Versprechen des Neubeginns in sich. Doch für viele Menschen fühlt sich dieser Monat anders an: schwer, zäh, kraftlos. Die Feiertage sind vorbei, der Alltag ist zurück, aber die Energie fehlt. Und während draußen die Tage noch kurz sind, wächst drinnen der Druck, wieder funktionieren zu müssen.

Aus gesundheitlicher Sicht ist das keine Überraschung. Unser Körper reagiert sensibel auf Lichtmangel, Kälte und Rhythmuswechsel. Im Januar ist der Melatoninspiegel oft noch erhöht, der Schlaf unausgeglichen, das Nervensystem müde vom langen Jahr. Ausserdem hatte man an den Feiertagen und zwischen den Jahren viele Sozialkontake, Nähe, besondere Traditionen und dann plötzlich wieder Alltag – vielleicht wieder mehr Einsamkeit und Stille. Und in dieser Stille melden sich bei manchen Menschen Ängste, bei anderen Erschöpfung oder ein diffuses Gefühl von Überforderung. Das ist kein persönliches Versagen. Es ist eine normale Reaktion eines Körpers, der Schutz sucht – ein überlastetes Nervensystem.

Ängste kommen eventuell als Grübeln, innere Unruhe, Schlafstörungen oder das Gefühl, „nicht in Gang zu kommen“. Der Körper bleibt angespannt, obwohl objektiv weniger los ist. Gesundheit beginnt hier mit Ehrlichkeit. Angst wahrzunehmen, statt sie zu übergehen, entlastet das Nervensystem. Wer sich erlaubt zu sagen „Ich bin gerade nicht so belastbar“, stärkt langfristig seine psychische Stabilität. Was wichtig ist – und nicht nur jetzt: mehr Selbstliebe… ich denke da immer gerne an die Sauerstoffmasken im Flugzeug: erst mal um sich kümmern, damit ich dann für andere da sein kann! Selbstfürsorge hat also nichts mit Egoismus zu tun, sondern damit, sich um sich selbst zu sorgen. Hierbei hilft:

Licht, so gut es geht

Tageslicht am Vormittag – selbst bei grauem Himmel – stabilisiert den Biorhythmus. Ein kurzer Spaziergang wirkt oft stärker als erwartet.

Rhythmus statt Vorsätze

Regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten geben dem Körper Sicherheit. Stabilität ist im Januar wichtiger als Leistungssteigerung.

Atmung beruhigen

Langsames, bewusstes Ausatmen signalisiert dem Nervensystem Entwarnung. Schon wenige Minuten können innere Unruhe spürbar senken.

Bewegung ohne Ziel

Sanfte Bewegung hält den Kreislauf in Gang, ohne zusätzlichen Druck zu erzeugen. Es geht nicht um Training, sondern um Durchblutung und um Regelmässigkeit – auch das erzeugt Sicherheit.

Verbindung zulassen

Manchmal reicht ein kurzer Austausch – wie der an der Grundstücksgrenze – um sich weniger allein zu fühlen. Nähe ist ein starker Gesundheitsfaktor.

Als wir uns verabschieden, sagt mein Nachbar: „Gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht.“

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Botschaften dieses Monats.

Der Januar muss nicht produktiv sein. Er darf langsam sein. Ein Übergang zwischen Dunkelheit und dem allmählichen Wiederkehren des Lichts. So wie es die Natur vorgibt – ohne Vergleichen mit anderen….genau hinsehen und zwar nur auf sich selbst.

In diesem Sinne: „Bleiben Sie gesund, entspannt und ein bisschen neugierig!“ und ich garantiere Ihnen, dass die Tage länger werden und das Licht zurückkehrt.

Ihre Vera Vitalis

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