Frühling lässt sein blaues Band

Frühling lässt sein blaues Band

„Endlich Sonne und Frühling – und zack, geht es wieder los“. Meine Nachbarin steht mit einer Packung Taschentüchern schniefend am Gartenzaun. Die Augen sind gerötet, die Nase verstopft. Während überall die ersten Blüten aufgehen, beginnt für sie die anstrengendste Zeit des Jahres.

Was viele als harmlose „Heuschnupfen-Zeit“ abtun, ist für Millionen Menschen eine ernstzunehmende Belastung. Der Frühling bringt Licht, Wärme und Neubeginn – aber eben auch Pollen.

Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Pflanzenbestandteile. Es stuft Blütenpollen als Gefahr ein und schüttet vermehrt Histamin aus.

Die Folge:

  • Niesattacken
  • Tränende, juckende Augen
  • Verstopfte oder laufende Nase
  • Müdigkeit, Konzentrationsprobleme
  • In manchen Fällen oder weiterer Folge Atembeschwerden

Durch den Klimawandel beginnen meist schon im Januar Hasel und Erle zu blühen, wenig später folgen Birke und anderer Frühblüher. Die Pollensaison startet durch die milden Winter somit oft früher und dauert auch länger als noch vor einigen Jahren.

Was viele unterschätzen: Allergien beeinflussen nicht nur die Schleimhäute, sondern den ganzen Organismus. Chronische Entzündungsprozesse belasten das Immunsystem. Schlechter Schlaf durch nächtliche Atemprobleme führt zu Erschöpfung. Dauerndes Niesen und Augenjucken wirken sich auf Stimmung und Leistungsfähigkeiten aus. Oftmals entsteht dann auch ein Gefühl von Überlastung, Gereiztheit und innerer Anspannung. Wer dauerhaft schlecht Luft bekommt, steht unter Stress – auch psychisch.

Der Frühling wird oft mit Aktivität verbunden. Erste Gartenarbeiten, Radtouren, Spaziergänge… Für Allergiker bedeutet er jedoch häufig Rückzug. Das kann frustrieren.

Was im Alltag hilft:

Pollenbelastung reduzieren

  • Pollenvorhersagen beachten
  • Stoßlüften nach dem Regen und in der Stadt morgens (ca. 6-8 Uhr) bzw. auf dem Land abends (19-24 Uhr)
  • Kleidung nicht im Schlafzimmer lagern
  • Haare ordentlich auskämmen am Abend oder nach dem Aufenthalt im Freien, besser noch waschen bei starker Belastung

Medizinische Unterstützung nutzt

  • Antihistaminika, Nasensprays oder Augentropfen können die Entzündungsreaktion wirksam lindern. Bei starken Beschwerden kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) langfristig helfen. Hierzu kann man sich in seiner Hausarztpraxis eingehend beraten lassen.

Sonstiges

  • Nasenspülungen mit einer Nasendusche und isotonischer Salzlösung unterstützen die Reinigung der Atemwege. Ich gebe zu, am Anfang kostet es etwas Überwindung, aber sobald man sich einmal daran gewöhnt hat, möchte man es (auch bei Erkältungen) nicht mehr missen
  • Ausreichend Schlaf
  • Ausgewogene Ernährung
  • Atemübungen
  • Moderates Training ist trotzdem empfohlen und stabilisiert den Körper

Wichtig ist es die Beschwerden in jedem Fall Ernst zunehmen und nicht einfach nur auszuhalten. Denn sonst kann im schlimmsten Fall aus dem Schnupfen ein Etagenwechsel erfolgen, d.h. ein Übergang von den oberen zu den unteren Atemwegen, was zu allergischem Asthma bronchiale führt.

Allergie bedeutet nicht Schwäche. Sie zeigt ein Immunsystem, das zu eifrig reagiert. Mit dem richtigen Umgang und Achtsamkeit lässt sich diese Überreaktion kontrollieren. So kann der Körper lernen sich anzupassen. Es liegt an uns diese Zeit trotzdem zu genießen, wenn auch vielleicht nicht in jeder Minute. Aber z.B. durch einen Spaziergang nach dem Regenschauer, einen Platz im Windschatten oder einem Cafébesuch drinnen mit Blick auf die blühenden Bäume.

„In jedem Winter steckt ein zitternder Frühling, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen“. – Khalil Gibran

In diesem Sinne: wunderschöne, sonnige Frühlingstage

Eure Vera Vitalis

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