Gestern beim Bäcker, wurde ich zufällig Zeuge eines Gespräches: „Hast du gehört? Nicht nur die Frau Müller, sondern auch noch der Bernd von nebenan hat die Grippe – so richtig Influenza.“ „Ja, …und jetzt ist auch bald Fasching – da kann man ja gar nirgendwo hin, denn das ist so gefährlich – da sind dann alle krank! Bist du geimpft? Ich hab mich extra noch impfen lassen, jetzt wo überall die Grippewelle rollt.“
Da stellt sich nun also die Frage: Wollen wir die Pappnas` in der Schublade lassen, oder doch zur Karnevalsmaus mutieren?
Karneval ist die einzige Zeit im Jahr, in der Erwachsene freiwillig zu wenig schlafen, zu viel trinken, zu laut singen und das Ganze als Brauchtum verteidigen. Medizinisch betrachtet ist das eine interessante Argumentation – der Körper sieht das nämlich etwas nüchterner.
Beginnen wir mit dem fehlenden Schlaf. Wer mehrere Nächte hintereinander im Kostüm verbringt, lernt schnell, dass Konfetti im Haar harmlos ist, aber Schlafmangel eine echte Persönlichkeitsspaltung auslösen kann. Gereizt, infektanfällig, unkonzentriert – alles Symptome, die viele dem „Feierstress“ zuschreiben. Der Körper nennt es schlicht: Überlastung. Ich habe seit einiger Zeit den Schlaf in meinem Leben priorisiert und merke wie gut es mir tut.
Dazu kommt an Karneval der Alkohol. Oftmals viel Alkohol. In Kombination mit wenig Wasser, kalter Februarluft und schnellem Essen (wie ein belegtes Brötchen um drei Uhr morgens) zwischendurch. Die Leber arbeitet an Karneval auf Hochtouren.
Auch das Immunsystem hat an diesen Tagen ordentlich zu tun. Enge Kneipen, Umarmungen mit Menschen, deren Namen man nicht kennt, gemeinsames Singen aus voller Kehle – epidemiologisch ist Karneval ein kleines Freiluftlabor. Wer sich wundert, warum nach Aschermittwoch die Nase läuft, bekommt hier die Antwort. Händewaschen, frische Luft und Pausen sind keine Zeichen von Schwäche, sondern von Erfahrung.
Und trotzdem: Karneval ist nicht nur eine Belastung, er kann auch guttun. Lachen senkt Stresshormone, Gemeinschaft stärkt die Psyche, Tanzen ersetzt zwar kein Fitnessstudio, ist aber definitiv besser als Couch und Serienmarathon. Wer sich gesehen, verbunden und fröhlich fühlt, tut seiner mentalen Gesundheit etwas Gutes – und die wird im Winter gern unterschätzt.
Die Kunst liegt, wie so oft, im Maß. Niemand muss jeden Tag bis zum Umfallen feiern. Niemand bekommt einen Orden dafür, krank zur Arbeit zu gehen oder trotz Fieber „durchzuziehen“. Der Körper meldet sich – erst leise, dann deutlicher. Zuhören wäre klug.
Aschermittwoch ist dann auch kein Trauertag, sondern ein Geschenk. Ausschlafen, Fastenzeit statt Schnaps, Spaziergang statt Polonaise. Ein kleines Reset-Ritual, bei dem der Körper dankbar nickt und die Seele langsam wieder auf Normaltempo schaltet.
Mein Fazit: Karneval ist kein Gesundheitsrisiko. Er wird es nur, wenn wir glauben, unverwundbar zu sein. Ein bisschen Achtsamkeit passt übrigens zu jedem Kostüm.
In diesem Sinne: HELAU & ALAAF– wenn Sie möchten, feiern Sie schön (oder machen Sie es sich daheim gemütlich) und trinken Sie auch mal ein Glas Wasser
Ihre Vera Vitalis





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